Platin 960 – Eine Begegnung mit Folgen

So, mein liebes Blog Tagebuch, was soll ich dir denn so alles anvertrauen? Sag es mir? Ach ja stimmt, ich bin ja derjenige, der sich was einfallen lassen muss. Na gut. Wo fange ich an?

In unserer heutigen Zeit ist alles anders als noch vor 20 Jahren, genauer 28 Jahren. Heute wird gepostet, gelikt, gesurft oder geblogt. Damals hat man noch Briefe geschrieben, sich gefreut, wenn man nette Post im Briefkasten fand usw. usw. Schön nicht?

Aber wieso vor 28 Jahren? Das machte man doch nun schon auch vorher, und noch viel früher.
Nun ganz einfach. Im zarten Bubenalter von 16 Jahren begann mein beruflicher Werdegang zum Goldschmied im väterlichen Betrieb. Es begann eine Reise mit Tiefen und Höhen. Mit guten und schlechten Ideen. Die Zeiten haben sich gewandelt, das künstlerische Leben eines Goldschmiedes hat sich sehr verändert. Ganz einfach ausgedrückt, wir sind eine “aussterbende Spezies”. Wertigkeiten in Bezug auf Gold und den handgefertigten Kunstwerken aus diesem edlen Metall sind aus den Fugen geraten. Einen Aspekt, den ich sehr schade, wenn nicht sogar skandalös, finde.

Aber nun gut, genug genörgelt. Jetzt zu meiner ersten Geschichte im Blog von Herbst. Eines muss ich allerdings noch erwähnen. Bis dato hatte ich mich geziert wie eine Diva, einen Blog zu schreiben. Meine Frau, welche eine ausgezeichnete Webdesignerin und Grafikerin ist, hat mir immer wieder gesagt: “Ich richte Dir eine solche Plattform ein. Du hast so viele Geschichten über Deine Arbeit zu erzählen. Über Menschen, für die Du arbeitest, Deine Kreativität und das älteste Handwerk sowieso.”

Das älteste Handwerk, für das man keine Meisterehrungen mehr braucht. Wo jeder tun und lassen kann was sie/er will. Pahh, was soll ich da schreiben. Interessiert doch eh keinen mehr. Traditionen lösen sich auf. Doch meine Sichtweise bekam einen “herben Dämpfer” . Das noch junge Jahr 2014 brachte in dieser Hinsicht der Berichterstattung die Wende. Was hatte sich zugetragen?

Ein mir bekannter Kunde besuchte mich Anfang Januar in meinem Geschäft. Ohne Umschweife präsentierte er mir zwei PLATINbarren, legte diese auf meinen Ladentisch, welcher aus grünem kubanischen Marmor besteht. Ein toller Kontrast. Erhaben!
Sein Wunsch war, aus dem kleineren 10 gr Barren ein Anhänger und dem 20 gr Barren eine Kette.
Es fing an zu rattern in meinem Kopf. Platin die Göttin der Edelmetalle! Mit Gold kenne ich mich bestens aus. Seine Eigenschaften, seine Launen, seine Anmut usw. Aber Platin? Es ist schwer, es braucht hohe Temperaturen, es ist schön. Freude kam in mir auf. Es gibt noch Menschen die Träume leben und ich darf ihnen mit meiner Kunst dabei helfen. Nach einem kurzen Gespräch über Form und Gestaltung von Kette und Anhänger, besiegelten wir den Auftrag mit Handschlag. Wie früher!

Die Arbeit konnte beginnen.

Nach Rücksprache mit einem mir seit vielen Jahren bekannten Gold-  und Silberlieferanten, ließ ich mir eine Platinlegierung mit einem Anteil von 4 % Kupfer mischen – PLATIN 960.
Meine technischen Möglichkeiten – gerade in Bezug auf das Schmelzen von Platin und das Erstellen einer solchen Legierung – sind begrenzt. Aber das Bearbeiten dieser Komposition, mit meinen schon mitunter betagten Handwalzen, um das Grundprofil für die Halskette herzustellen, ist zauberhaft. Dazu möchte ich bemerken, betagte Handwalzen bedeutet, 60 bis 70 Jahre oder älter, aber besser als heute. Tja, früher halt.
Das Bearbeiten von Platin ist eine Wucht! Es fasst sich famos an, es will erobert aber nicht gedrängt werden. Es will mit sanfter Stärke aber auch mit Geschmeidigkeit behandelt werden. Wunderbar!
Nach einer gewissen Arbeitszeit hatte ich mir den Grunddraht von 0,7 mm Stärke hergestellt. Alles per Hand. Nun stand die Herstellung der einzelnen Kettenglieder an, oval und in der Länge von 4 mm. Und das für eine Gesamtlänge von 60 cm. Das bedeutet letztendlich 215 einzelne Ösen gebogen, ineinandergefügt und verlötet. Alles per Hand. Verlötet wird ebenfalls wie früher, mit Feuer und Atemluft.
Das Einrichten der kleineren Platinplatte von 10 gr, war letztendlich nur noch “handwerkliche Formsache”. Noch ein abschließendes Finish auf Platte und Kette und es ward vollbracht.
Meine erste komplette Arbeit in Platin. Stolz und Dankbarkeit dem Kunden, der mir sein Vertrauen in meine handwerklichen Fähigkeiten geschenkt hat.

Kette aus Platin

Platinkette

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